Kreatin: wem es wirklich hilft, wie viel Sie nehmen sollten und wann Sie zum Arzt müssen
Kreatin wird Frauen ab 40 als Mittel gegen Müdigkeit, Muskelverlust und brüchige Knochen verkauft. Eine ruhige Einordnung der Evidenz: Was es wirklich leistet, was nicht, wie Sie es einnehmen — und wann Sie unbedingt ärztlichen Rat brauchen.

Kreatin ist gerade überall. Es schaut Sie aus den Regalen an, aus Ihrem Feed, aus Gesprächen mit Freundinnen: „Probier es doch, das ist das am besten erforschte Nahrungsergänzungsmittel der Welt." Vor fünf Jahren gehörte es noch in die Welt des Gewichthebens — heute wird es Frauen ab 40 als Mittel gegen Müdigkeit, Gehirnnebel, Muskelverlust und sogar gegen brüchige Knochen verkauft.
Und da stehen Sie mit der Dose in der Hand und fragen sich: Wirkt das wirklich — oder ist das einfach eine neue Marketingwelle?
Ich habe für diesen Beitrag mehr Zeit aufgewendet als für jeden anderen in diesem Blog. Nicht weil das Thema kompliziert wäre, sondern weil sich um Kreatin sehr viele schöne Zahlen ranken, die bei der Überprüfung zerfallen. Deshalb heute ein ehrliches Gespräch: was Kreatin wirklich leistet, was nicht, für wen es nicht geeignet ist und wie Sie es richtig einnehmen. Ohne Hype — und ohne Panikmache. 🌱
Was Kreatin tatsächlich ist
Beginnen wir einfach. Kreatin ist kein Hormon, kein Stimulans und keine „Sportchemie". Es ist ein Stoff, den Ihr Körper selbst herstellt — etwa ein Gramm pro Tag — und den Sie zusätzlich über die Nahrung aufnehmen, vor allem über Fleisch und Fisch.
Seine Aufgabe ist es, eine schnelle Energiereserve zu sein. Wenn eine Zelle sofort Energie braucht (eine kurze Anstrengung, das Heben einer Last, ein Sprint, die ersten Sekunden eines Satzes), verbraucht sie ein Molekül ATP. Kreatin hilft, es fast augenblicklich wiederherzustellen — wie eine kleine Powerbank, die die Zelle in Betrieb hält, bis die langsameren Energiesysteme anspringen.
Die Logik ist also einfach: mehr Reserve bedeutet mehr Arbeit in kurzen, intensiven Momenten. Alles andere folgt aus diesem einen Mechanismus. Und genau deshalb halten viele laute Versprechen rund um Kreatin einer Prüfung nicht stand: Sie gehen weit über das hinaus, was dieser Mechanismus leisten kann.

Was Kreatin wirklich leistet
Hier kommt die gute Nachricht. Was belegt ist, ist sehr solide belegt: Kreatin wird seit Jahrzehnten erforscht, in Hunderten von Studien.
1. Es hilft beim Aufbau fettfreier Masse — aber nur zusammen mit Krafttraining. In einer gepoolten Analyse von 61 kontrollierten Studien (1 457 Teilnehmende) brachte Kreatin +1,39 kg fettfreie Masse gegenüber Placebo (Ashtary-Larky et al., JISSN, 2025). In einer weiteren Analyse — 143 Studien — stieg die Körpermasse um +0,86 kg, während der Körperfettanteil um 0,28 Prozentpunkte sank (Pashayee-Khamene et al., JISSN, 2024).
Eine ehrliche Einschränkung, die Sie in der Werbung selten hören: Ein Teil dieses Gewichts ist Wasser in den Muskelzellen, nicht nur Eiweiß. Und die meisten dieser Studien wurden an Männern durchgeführt.
2. Es bringt etwas mehr Kraft in den Grundübungen. 69 randomisierte Studien, 1 937 Teilnehmende: Bankdrücken +1,43 kg, Kniebeuge +5,64 kg gegenüber Placebo. Beinpresse und Handkraft veränderten sich dagegen nicht signifikant (Kazeminasab et al., Nutrients, 2025).
Anderthalb Kilogramm beim Bankdrücken sind eine kleine Scheibe. Keine Revolution. Aber über mehrere Monate summieren sich solche „kleinen Scheiben" zu einem spürbaren Unterschied.
3. Es hilft bei wiederholten kurzen Belastungen. Die mittlere Leistung über eine Serie von Sprints steigt deutlich — die Spitzenleistung und die Ermüdungsresistenz jedoch nicht (Glaister & Rhodes, IJSNEM, 2022). Kreatin hilft Ihnen also, eine Anstrengung zu wiederholen, nicht, eine einzelne Anstrengung stärker zu machen.
4. Frauen nach der Menopause bringt es einen kleinen, aber realen Zugewinn. Eine Meta-Analyse von 7 Studien, 608 Frauen, Durchschnittsalter etwa 62 Jahre: +0,37 kg fettfreie Masse und +7,5 kg an der Beinpresse — aber nur ab 5 g pro Tag und immer zusammen mit Krafttraining (Naddafha et al., JISSN, 2026).
Und hier möchte ich ganz ehrlich sein: Das Konfidenzintervall dieser Analyse überschreitet die Null. Im Klartext — bei einem Teil der Frauen wird es gar keinen Effekt geben, und das ist ein normales, erwartbares Ergebnis und nicht Ihr Versäumnis.
Der eine Satz, den Sie sich merken sollten: Kreatin ist ein Verstärker Ihrer Trainingsantwort. Es macht Ihre Arbeit ein wenig ergiebiger. Es nimmt Ihnen die Arbeit nicht ab.

Was Kreatin NICHT leistet
Diesen Teil halte ich für den wichtigsten. Denn genau hier überholt das Marketing die Wissenschaft — und genau auf diese Versprechen hin kaufen Frauen das Präparat und werden dann enttäuscht.
Es baut keine Muskeln ohne Training auf. In einer Analyse von 35 Studien lag der Zugewinn bei etwa +1,10 kg mit Krafttraining — und verschwand ohne Training praktisch vollständig (Delpino et al., Nutrition, 2022). Mehr noch: Kreatin erhöht die Muskelproteinsynthese nicht direkt. Sein Einfluss auf die Muskelmasse ist indirekt.
Es stärkt die Knochen nicht. Das ist wohl der verbreitetste Mythos in Gesprächen über Frauen ab 50. Die Daten sagen das Gegenteil: Eine Meta-Analyse von 5 Studien fand überhaupt keinen Effekt auf die Knochendichte (Forbes, Chilibeck & Candow, Front Nutr, 2018). Und entscheidend — eine zweijährige Studie mit 237 Frauen nach der Menopause, mit Krafttraining dreimal pro Woche, zeigte: kein Unterschied in der Knochendichte, weder am Schenkelhals noch an der Hüfte noch an der Wirbelsäule (Chilibeck et al., MSSE, 2023). Beide Gruppen wurden deutlich stärker. Und beide verloren weiterhin Knochenmasse.
Es ist für Gedächtnis und „geistige Klarheit" nicht belegt. Im November 2024 prüfte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) 23 Studien und lehnte es offiziell ab, eine Aussage zur Verbesserung der kognitiven Funktion durch Kreatin zuzulassen: Ein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang ist nicht belegt. Die Meta-Analyse zum Gedächtnis wurde später von den Autoren selbst korrigiert — der Gesamteffekt sank auf statistisch nicht signifikant (Prokopidis et al., Nutr Rev, 2023, Korrektur 2023). Und die einzige randomisierte Studie bei älteren Frauen (56 Teilnehmerinnen, 24 Wochen, 5 g pro Tag) zeigte weder bei der Kognition noch bei der Stimmung einen Effekt.
Darüber habe ich ausführlicher in einem eigenen Beitrag geschrieben — „Kreatin und das Gehirn: ein wissenschaftlicher Blick ohne Beschönigung".
Es beschleunigt die Regeneration nicht. 13 Studien: kein Einfluss auf Muskelkater, Kraftwiederherstellung, Beweglichkeit oder Entzündung — weder nach 30 Minuten noch nach 96 Stunden.
Nichts davon ist ein Grund, auf Kreatin zu verzichten. Es ist ein Grund, es für das zu kaufen, was es tatsächlich kann.
Sicherheit: was stimmt und was Mythos ist
Das Gesamtbild ist ruhig. In einer Auswertung von 685 klinischen Studien wurden Nebenwirkungen in 13,7 % der Kreatin-Studien berichtet gegenüber 13,2 % der Placebo-Studien — kein Unterschied (p=0,776). Die längste Studie umfasste 1 741 Personen, die 5 bis 8 Jahre lang 10 g täglich einnahmen: keine Unterschiede bei unerwünschten Ereignissen (JAMA, 2015).
Nun zu den konkreten Ängsten.
„Kreatin ruiniert die Nieren." Das ist die häufigste Sorge — und das nachvollziehbarste Missverständnis. Kreatin zerfällt auf natürlichem Weg zu Kreatinin, und Kreatinin ist genau der Wert, über den im Labor die Nierenfunktion beurteilt wird. Der Wert auf dem Befund steigt also tatsächlich: im Mittel um 0,13 mg/dl. Der Harnstoff bleibt dabei unverändert.
Am überzeugendsten sind hier Studien, die die Nieren mit Methoden beurteilten, die nicht von Kreatinin abhängen (Isotopenmessung der Filtration, Cystatin C): Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes, bei älteren Menschen und bei Trainierenden mit eiweißreicher Ernährung veränderte sich die Nierenfunktion nicht (Übersichtsarbeit Longobardi et al., Nutrients, 2023).
Die Schlussfolgerung daraus ist aber nicht „einfach ignorieren", sondern eine andere: Ein erhöhtes Kreatinin tritt auch dann auf, wenn die Nierenfunktion tatsächlich nachlässt — und dieser eine Wert allein kann beides nicht unterscheiden. Deshalb: Sagen Sie es Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt (siehe unten).
„Von Kreatin fallen die Haare aus." Diese ganze Geschichte geht auf eine Studie von 2009 mit 20 Rugbyspielern zurück, in der Hormone gemessen wurden und die Haare überhaupt nicht. In 17 Jahren wurde sie nicht repliziert. Die einzige Studie, die die Haare tatsächlich gemessen hat (38 Männer, 12 Wochen), fand keinen Unterschied bei Haardichte, Haaranzahl oder Hormonen (Lak et al., JISSN, 2025). Beide Arbeiten wurden nur an Männern durchgeführt: Bei Frauen wurde das nie untersucht. Ehrlich formuliert heißt das: Der befürchtete Mechanismus hat sich bei niemandem in tatsächlichen Haarausfall übersetzt — eine absolute Garantie kann ich Ihnen aber ebenfalls nicht geben.
„Wassereinlagerungen und ein aufgedunsenes Gesicht." Wasser wird tatsächlich eingelagert — überwiegend in den Muskelzellen. Keine einzige Studie hat je das Unterhautwasser oder eine Gesichtsschwellung gemessen. Diese Sorge ist also weder bestätigt noch widerlegt.
„Krämpfe und Dehydrierung." Hier weisen die Daten eher in die Gegenrichtung: Eine systematische Übersicht von 10 hochwertigen Studien fand einen Effekt auf die Körperkerntemperatur von 0,03 °C — also keinen. In einer saisonlangen Beobachtung von Sportlern hatten diejenigen, die Kreatin nahmen, weniger Krämpfe, nicht mehr.
Was tatsächlich vorkommt: Magen-Darm-Beschwerden bei einer zu großen Einzelportion. Die Lösung ist einfach — nicht mehr als 5 g auf einmal, mit einer Mahlzeit und ausreichend Flüssigkeit. Bei geteilter Dosis lag die Beschwerderate in einer Studie sogar unter der Placebogruppe.
Wie Sie es einnehmen: das praktische Protokoll
Meine Empfehlung für die meisten Leserinnen ist die langweiligste und zugleich wirksamste.
| Frage | Antwort | |---|---| | Was kaufen | Schlichtes Kreatin-Monohydrat als Pulver. Kein HCl, kein „gepuffertes", kein flüssiges, keine Gummibärchen | | Dosis | 3–5 g pro Tag, täglich | | Ladephase | Optional. 20 g pro Tag über 6 Tage und 3 g pro Tag über 28 Tage erreichen dieselbe Sättigung — der Unterschied liegt nur im Tempo | | Wann | Weitgehend unerheblich. Vor oder nach dem Training, auch an Ruhetagen. Regelmäßigkeit schlägt Timing | | Womit | Zu einer Mahlzeit. Mit Eiweiß und Kohlenhydraten liegt die Aufnahme rund 25 % höher | | Wann wirkt es | 3–4 Wochen bei 3–5 g. Bei Frauen: über Monate konsequenten Trainings beurteilen, nicht über Wochen | | Sind Pausen nötig | Keine Belege dafür |
Drei Hinweise, die Ihnen Geld und Nerven sparen:
- Teure Formen sind nicht besser. HCl zeigte in einer 8-wöchigen Studie keinen einzigen statistisch signifikanten Vorteil gegenüber Monohydrat. „Gepuffert" ebenso wenig. Monohydrat wird nahezu vollständig aufgenommen — da bleibt kaum etwas zu verbessern.
- Flüssiges Kreatin und Gummibärchen — lassen Sie es. In Lösung wandelt sich Kreatin mit der Zeit in inaktives Kreatinin um. Rühren Sie es direkt vor dem Trinken an. Gummibärchen kosten zudem ein Vielfaches des Pulvers.
- Bodensatz im Glas ist kein Aufnahmeproblem. Bei Zimmertemperatur lösen sich 5 g in etwa 350 ml vollständig. In einem kleinen Glas kaltem Wasser bleibt Grieß zurück. Wasser nachgießen, umrühren, trinken — die Dosis zählt trotzdem.
Und zur Qualität. Sporternährung ist eine Branche mit Verunreinigungsgeschichte: In einer Untersuchung von 634 Präparaten, gekauft 2000–2001, enthielten 14,8 % nicht deklarierte anabole Steroide. Heute ist die Lage besser — und genau deshalb gibt es Zertifizierungen. Achten Sie auf eine unabhängige Chargenprüfung auf der Dose: Informed Sport oder NSF Certified for Sport.
Frauen: was wir wissen — und was nicht
Darüber spricht kaum jemand, und es gehört gesagt.
Von 656 Kreatin-Studien wurden nur 58 — also 9 % — ausschließlich an Frauen durchgeführt (de Guingand et al., Nutrients, 2020). Praktisch das gesamte Standardprotokoll, einschließlich des berühmten Ladeschemas, beruht auf Daten von Männern: In der grundlegenden Dosierungsstudie von 1996 waren 31 Männer und null Frauen.
Trennt man die Daten nach Geschlecht, fällt der Effekt bei Frauen kleiner aus: +1,46 kg fettfreie Masse bei Männern gegenüber +0,29 kg bei Frauen (Delpino, 2022). In einer Übersicht von 27 Studien an aktiven Frauen übertraf Kreatin Placebo nur in 3 von 11 Kraftstudien (Tam et al., Nutrients, 2025).
Entscheidend ist aber Folgendes: Das ist kein Beleg dafür, dass Kreatin bei Frauen nicht wirkt. Weibliche Untergruppen sind fast immer klein und statistisch schwach — und die größte Auswertung von 100 Studien fand überhaupt keinen Geschlechtsunterschied. Die ehrliche Schlussfolgerung lautet: Der Effekt bei Frauen ist schlechter untersucht, nicht widerlegt. Das ist eine Lücke in der Forschung, kein Urteil.
Was Sie außerdem wissen sollten:
- Die Perimenopause ist kaum erforscht. Die einzige kleine Studie verwendete nicht standardisierte Kreatinformen in Dosierungen, die drei- bis fünfmal niedriger lagen als üblich. Jedes Versprechen „Kreatin für die Perimenopause" ist eine Hochrechnung.
- Smarte Waagen führen Sie in die Irre. Bei 13 Tänzerinnen stieg die per DXA gemessene „Magermasse" um 1,7 kg, während das Körpergewicht nur um 0,7 kg zunahm. Solche Geräte zählen Wasser als Gewebe. Beurteilen Sie die Wirkung nicht über die Waage — sondern darüber, was Sie heben und wie Sie sich fühlen.
- Die Wassereinlagerung hängt von der Zyklusphase ab. In der Lutealphase nimmt das Körperwasser zu, in der Follikelphase nicht. Ein signifikanter Unterschied im Körpergewicht bestand dabei trotzdem nicht.

Für wen es nicht geeignet ist — und wann Sie ärztlichen Rat brauchen
Das ist der Abschnitt, für den sich der ganze Beitrag gelohnt hat. 🔴
Beginnen Sie nicht ohne ärztliche Begleitung, wenn Sie:
- eine Nierenerkrankung, eine eingeschränkte Filtrationsleistung, nur eine Niere oder Dialyse haben. Für diese Gruppe gibt es keine kontrollierten Studien. Die Fachposition lautet nicht „gefährlich", sondern „nicht untersucht": Die Entscheidung fällt gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt, mit Kontrolle über Marker, die nicht von Kreatinin abhängen.
- schwanger sind. Abgeschlossene randomisierte Studien am Menschen gibt es nicht. Außerhalb von Forschungsprotokollen wird davon abgeraten.
- stillen. Dazu wurde überhaupt nicht geforscht. Weder „sicher" noch „unsicher" lässt sich seriös sagen — es fehlen schlicht die Daten.
Besprechen Sie es vorab unbedingt, wenn:
- Sie eine bipolare Störung haben. Das ist die einzige psychiatrische Einschränkung mit einem realen Signal: In einer randomisierten Studie zur bipolaren Depression wechselten zwei von 17 Teilnehmenden unter 6 g pro Tag in eine Hypomanie. Das heißt nicht „Kreatin verursacht Manie" — es heißt, dass diese Entscheidung Ihrer Psychiaterin oder Ihrem Psychiater zusteht.
- Sie unter 18 Jahre alt sind. Hier sind sich die Fachleute ehrlich uneinig. Die Entscheidung liegt bei der Kinder- oder Sportmedizin.
- Sie regelmäßig NSAR, Diuretika oder Immunsuppressiva einnehmen. Diese Kombinationen wurden am Menschen nie untersucht. Deshalb ist sowohl „gefährlich" als auch „es gibt keine Wechselwirkungen" falsch. Richtig ist: nicht untersucht — fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Und der praktischste Satz des ganzen Beitrags:
Wenn Sie Blut abnehmen lassen — sagen Sie, dass Sie Kreatin einnehmen.
Ihr Kreatininwert wird höher ausfallen, und das ist zu erwarten. Aber allein anhand des Kreatinins lässt sich ein harmloser Anstieg nicht von einer tatsächlichen Verschlechterung der Nierenfunktion unterscheiden. Wenn Genauigkeit wichtig ist, gibt es Cystatin C — einen Marker, den Kreatin nicht beeinflusst. Besprechen Sie das ärztlich.
Und noch etwas: Suchen Sie nicht im Internet nach „wie viele Tage Kreatin vor der Blutabnahme absetzen". Ein solches Intervall wurde nie festgelegt, und die kursierenden Zahlen stützen sich auf keine einzige Studie.
Warnzeichen — absetzen und ärztlich abklären lassen (diese Symptome gehören ohnehin abgeklärt, unabhängig von jedem Präparat): deutlich verringerte Urinmenge; dunkler, colafarbener Urin; neu aufgetretene Schwellungen im Gesicht oder an den Beinen, Atemnot; starke unerklärliche Muskelschmerzen oder Schwäche; anhaltende Übelkeit und Erbrechen.
Eine Zunahme von 1–3 kg in der ersten Woche einer Ladephase ist erwartbares Wasser. Eine deutlich stärkere Zunahme, noch dazu mit Schwellungen und Atemnot, ist kein Kreatineffekt — das gehört ärztlich abgeklärt.
Häufige Fragen
Brauche ich Kreatin, wenn ich nicht ins Fitnessstudio gehe? Eher nicht. Praktisch der gesamte belegte Nutzen zeigt sich zusammen mit Krafttraining. Ohne dieses bezahlen Sie für einen sehr bescheidenen Effekt.
Ich ernähre mich vegetarisch — brauche ich es eher? Möglicherweise. Kreatin stammt fast ausschließlich aus Fleisch und Fisch, und in einer Studie starteten Vegetarier mit niedrigeren Speichern und legten stärker zu. Universell ist das aber nicht: In einer Arbeit von 2025 lagen die Ausgangswerte von Veganern auf dem Niveau von Mischköstlern. Sagen wir so: Ein Versuch lohnt sich, Garantien gibt es nicht.
Stimmt es, dass Frauen eine höhere Dosis brauchen? Dafür gibt es keine belastbaren Daten. Alle großen Langzeitstudien an Frauen verwendeten 5 g pro Tag oder etwa 0,1 g pro Kilogramm Körpergewicht. Empfehlungen von 20 g täglich für Frauen nach der Menopause wurden nie gegen eine Standarddosis geprüft.
Darf ich Kreatin mit Kaffee einnehmen? Ja. Die Behauptung, Kaffee „hebe die Wirkung auf", ist eine offene Frage der Wirksamkeit, keine der Sicherheit. Hinweise auf einen Schaden gibt es nicht.
Wann merke ich, ob es wirkt? Geben Sie ihm 4–8 Wochen konsequenter Einnahme und konsequenten Trainings, und beurteilen Sie es nicht über die Waage, sondern über die Gewichte, die Sie bewegen, und Ihr Befinden. Wenn sich in dieser Zeit nichts verändert hat — dann ist das Ihre Antwort, und das ist völlig in Ordnung.
Muss ich Einnahmepausen machen? Es gibt keine Belege dafür. Nach dem Absetzen kehren die Speicher innerhalb von etwa 30 Tagen auf den Ausgangswert zurück.
Kleine Schritte für diese Woche
Sie müssen nicht alles auf einmal entscheiden. Wählen Sie eines:
- Zuerst das Fundament. Wenn zu wenig Eiweiß auf dem Teller liegt und der Schlaf unruhig ist, fangen Sie dort an. Auf schlechter Basis bringt ein Präparat fast nichts.
- Wenn Sie mindestens zweimal pro Woche mit Gewichten trainieren, ist Kreatin sinnvoll. Wenn nicht, beginnen Sie mit dem Training.
- Nehmen Sie schlichtes Monohydrat-Pulver mit unabhängiger Zertifizierung. Ohne Ladephase, 3–5 g pro Tag.
- Lösen Sie es in ausreichend Wasser, nehmen Sie es zu einer Mahlzeit, jeden Tag zur selben Zeit.
- Bewerten Sie nach 4–8 Wochen — nach Kraft und Befinden, nicht nach der Zahl auf der Waage.
- Steht eine Blutabnahme an — erwähnen Sie das Kreatin.
Und zuletzt — das Wichtigste
Kreatin ist ein gutes Werkzeug. Ruhig, günstig, gut erforscht. Es verschafft denjenigen einen kleinen, aber echten Vorteil, die das Wesentliche bereits tun: trainieren, ausreichend Eiweiß essen, gut schlafen.
Aber es ersetzt nichts davon. Im Ansatz The Better Plate gilt immer dieselbe Reihenfolge: zuerst der Teller, der Schlaf und die Bewegung — und erst danach Nahrungsergänzung. Nicht weil Präparate schlecht wären, sondern weil sie auf einer guten Basis um ein Vielfaches spürbarer wirken.
Und bitte ohne Perfektionismus. 💚 Wenn Sie sich gegen Kreatin entscheiden, verlieren Sie nichts wirklich Wichtiges. Wenn Sie sich dafür entscheiden, tun Sie es bewusst, in Ruhe und mit offenen Augen. Genau so sieht Fürsorge für sich selbst aus.
Bildungshinweis: Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Sprechen Sie vor der Einnahme jeglicher Nahrungsergänzung — insbesondere bei Nierenerkrankungen, in der Schwangerschaft, während der Stillzeit, bei Medikamenteneinnahme oder einer psychiatrischen Diagnose — mit einer Fachperson. The Better Plate nutzt bildungsorientierte Prinzipien gesunder Ernährung, einschließlich Ideen, die vom Harvard Healthy Eating Plate inspiriert sind; Better With Anna ist nicht mit der Harvard University verbunden.
Möchten Sie wissen, was Ihrem Körper tatsächlich fehlt, bevor Sie Präparate kaufen? Beginnen Sie mit einer Biomarker-Analyse oder einer Express-Beratung — so entscheiden Daten und nicht Werbung. Und wenn Ihnen bewusste Ernährung am Herzen liegt, schauen Sie auf der Startseite von Better With Anna vorbei und lesen Sie „Nahrungsergänzungsmittel ohne Fanatismus" — darüber, wann Nahrungsergänzung wirklich sinnvoll ist. 🌱
Herzlichst, Ihre Anna Bertoldi